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Ich war mal wieder im Theater (endlich!) und habe beschlossen, dass ich in Zukunft auf jeden Fall öfter hingehen muss. Allein schon wegen des „Theater-Feelings“. Das Stück läuft auch noch in Frankfurt. Übrigens spielt hier Manuel Harder die männliche Hauptrolle, bei dem ich selber schon einen Schauspielworkshop gemacht habe.

Regisseur: Christopher Hampton; nach dem Roman von: Choderlos de Laclos; Genre des Dramas: Briefroman (über verhängnisvolle Affären und Intrigen des französischen Adels während des 18. Jahrhunderts); Veröffentlichung des Dramas: 1782; Erste Aufführung dieser Inszenierung: 2014; Stückdauer: 2 Stunden (keine Pause), Schauspieler: Sabine Waibel, Manuel Harder, Gaby Pochert, Lisa Stiegler, Till Weinheimer, Katharina Bach, Nico Holonics, die Schauspielstudenten des ersten Studienjahres der HfMDK (Frankfurt)

Meine Bewertung: 10/10 Punkten

Handlung:

Liebe ist etwas, was man benutzt, nicht etwas, dem man verfällt. Marquise de Merteuil hat eine Rechnung mit ihrem ehemaligen Liebhaber Gercourt zu begleichen. Dieser will die junge Klosterschülerin Cécile heiraten. Deshalb muss – nach Merteuils Plan – Cécile verführt und noch vor der Hochzeit entjungfert werden. Der für seine Verführungskünste berühmt Vicomte de Valmont soll diese Aufgabe übernehmen. Als Gegenleistung fordert er eine Liebesnacht mit der Merteuil. Aber Valmont verfolgt noch seinen eigenen Plan: Er will die verheiratete, strenggläubige und hochmoralische Madame de Tourvel verführen. Als ihm beide Frauen zu Füßen liegen, fordert er von Merteuil den versprochenen Tribut. Doch die Marquise verweigert sich dem Verführer und zettelt eine neue Intrige gegen Valmont selbst an…

»Les Liaisons dangereuses« von Choderlos de Laclos in einer Bearbeitung von Christopher Hampton ist ein Machtkampf zwischen zwei intelligenten Verführern, die sich durch perfide Spiele mit den Gefühlen anderer Menschen einen zerstörerischen Machtkampf liefern.

Meine Meinung:

Wow. Dieses Theaterstück war einfach toll. Schon bevor es überhaupt begonnen hatte, war ich schon von der Bühne, der Kulisse beeindruckt – ein Boden wie ein Schachbrett, der leuchtete, Kronleuchter die herunterhingen, ein riesiger Bilderrahmen um die Bühne, fast die gesamte Spielfläche war rechts und links frei, nicht durch eine Wand begrenzt. Dann ging es los und das nächste, das man bestaunen durfte, war das erste Kostüm, ein Kleid, an der Hüfte ungefähr zwei Meter breit, weiß-hellblau. Nach und nach hat man im Stück noch einige andere Kostüme gesehen, ob Kleider, Anzug oder die Kleidung der Bediensteten – einfach toll.

Dann das Stück selber. Sehr verwirrend, mit den ganzen Intrigen und Affären und wer liebt jetzt wen, wer nutzt wen nur aus, wo ist es echt, wo nur gespielt, wer will jetzt wen vernichten – aber ich habe es sogar ziemlich gut verstanden. Mir war zwar öfter mal doch irgendetwas schleierhaft, aber das hat mich nicht weiter gestört.

Die Schauspieler haben wirklich wahnsinnig toll gespielt, die Betonung der Sätze (und auch die Menge an gesprochenem Text, in einer Geschwindigkeit und sich gegenseitig immer wieder unterbrechend usw.), die Körperhaltung und Bewegung auf der Bühne (Proxemik), sowie Mimik und Gestik – und das alles mit einer Energie, von Anfang bis Ende – sehr schön anzugucken. Außerdem hatten sie allesamt anscheinend relativ wenig Schamgefühl, denn während des Stücks fiel doch immer mehr Kleidung auf den Boden, bis die ein oder andere Person zwischendurch auch einfach mal komplett ohne Bekleidung über die Bühne spazierte. Das hat mich dann doch etwas überrascht. :D Die Madame de Rosemonde wurde übrigens von einem Mann gespielt, was dann auch zu einigen Lachern geführt hat. ;)

Man darf aber auch nicht die Pagen vergessen, die von den Schauspielstudenten des ersten Studienjahres der HfMDK (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt) gespielt wurden – einfach super. Sie wurden über die Bühne geschubst und behandelt, als wären sie nichts wert – aber immer kunstvoll, denn die Pagen haben sich immer absolut gleich verhalten – wenn einer zu Boden geschubst wurde, sind alle gefallen, wenn einem am Ohr gezogen wurde, standen alle schief und mit gequältem Gesichtsausdruck da. Am Ende war das dann ein bisschen anders, als dann alles in einem heillosen Durcheinander und Kampf endete.

Die Bühne/Kulisse hatte ich am Anfang ja schon einmal erwähnt – allerdings hat sich diese im Laufe des Stückes dauernd geändert, vom Mobiliar her oder auch riesige Bilderahmen, die von der Decke herunterkamen und auf denen hinterher auch geklettert wurde, manchmal haben sich die Schauspieler auf den Rand der Bühne gesetzt, eine ist auch mal ganz runter gegangen. Aber das Erstaunliche ist, dass ich zwar die ganze Zeit auf die Bühne geguckt habe – aber trotzdem oft genug überhaupt nicht mitbekommen habe, dass sich etwas an der Bühne geändert hat oder plötzlich standen die Schauspieler an einem anderen Ort oder waren einfach plötzlich wieder mitten auf der Bühne, ohne dass ich sie hatte kommen sehen, oder hatten einfach mal etwas anderes an, obwohl ich sie nicht hatte weggehen sehen – wirklich toll gemacht.

Die Handlung an sich fand ich sowieso auch sehr interessant, es ging eben um Machtkampf, Intrigen und Affären in dieser adligen Hofgesellschaft, die sich eben gar nicht so edel und höfisch benommen hat, und vor allem ist die weibliche Hauptrolle auch ein sehr starker Charakter. Das Stück spielt schließlich zu einer Zeit, in der die Frauen nichts zu sagen hatten und den Männern gehorchen sollten – diese Dame hier sieht das allerdings ganz anders und verhält sich auch dementsprechend.

Fazit: Eine sehr beeindruckende Inszenierung, sehr tolle schauspielerische Leistung, tolles Bühnenbild, tolle Kostüme, tolle Dynamik, teilweise lustig, oft spannend, ich habe mich keinen Moment gelangweilt – einfach wunderbar.

Wer sich das Stück gerne noch angucken möchte, kann hier nach den Terminen gucken und Karten kaufen.

Übrigens: Ich liebe es, ins Theater zu gehen, weil man dort einfach die Schauspieler direkt in echt spielen sieht, jeden Patzer (auch wenn es hier nur einen kleinen für mich ersichtlichen gab) mitbekommt, einfach dieses Gefühl – und auch danach noch. Theater ist schon etwas wirklich Tolles. Bei mir ist es im Übrigen auch immer nach einem guten Theaterstück oder Film so, dass ich mindestens die nächste halbe Stunde erst einmal mit meinen Gedanken noch dem Stück/Film hinterherhänge – aber anscheinend geht das nur mir so, denn alle anderen, die ich kenne, fangen dann gleich wieder an, von irgendwelchen anderen Alltagsdingen zu reden… naja.