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Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt jetzt nach dem ganzen Urlaub mal wieder eine Rezension von mir. :)

Am 17.07. habe ich mir im SchauspielFrankfurt das Theaterstück „Kunst“ von Yasmina Reza angesehen und war begeistert. Hinterher konnte ich auch mit ein paar anderen noch ein bisschen mit einem der drei Schauspieler (Sascha Nathan) sprechen.

Regisseur: Oliver Reese; Genre: Komödie; Premiere dieser Inszenierung: 24.05.2014; Stückdauer: 1 Stunde 40 Minuten (keine Pause), Dramaturgie: Sibylle Baschung; Schauspieler: Wolfgang Michael, Martin Rentzsch, Sascha Nathan

Meine Bewertung: 10/10 Punkten

Handlung:

Du hast doch keinen sechs Jahre beim Psychoanalytiker auf der Couch gelegen, um dann deinen besten Freund umzulegen.

Serge hat sich für eine beachtliche Summe ein Gemälde gekauft: weiße Streifen auf weißem Untergrund. An diesem Bild entzündet sich der Streit zwischen drei Freunden, in dessen Verlauf sich ihr Leben und ihre Beziehungen grundlegend ändern. Serge begeistert sich für das Gemälde, Marc bekämpft es auf das Heftigste und Yvan bezieht, da er es sich mit keinem der anderen verderben will, keine Stellung. Das Kunstwerk dient als Katalysator, mit dessen Hilfe die drei Männer ihre Gefühle, ihre Befindlichkeit, ihre Freundschaft, ja ihr gesamtes bisheriges Dasein auf den Prüfstand stellen.

Meine Meinung:

Genial. Ich habe während dieses Stückes andauernd richtig lachen müssen und dem Rest des Publikums ging es nicht anders. Das Stück wird nur von den drei Freunden dargestellt, andere Personen werden zwar zwischendurch mal erwähnt, aber hauptsächlich geht es um diese drei Freunde. Und ob sie dass denn überhaupt sind.

1 Stunde und 40 Minuten sieht man den drei dabei zu, wie sie sich aufgrund dieses weißen Bildes immer mehr streiten und sich gegenseitig aufeinander hetzen und sich letztendlich fragen, was sie eigentlich all die Jahre zusammengehalten hat und was Freundschaft überhaupt ist. Vielmehr geschieht eigentlich nicht, aber es wird keine Sekunde langweilig. Im Gegenteil! Es ist spannend, man fühlt mit und es ist einfach zu komisch. Und interessant ist es auch auf jeden Fall zu sehen, was einen zusammenhalten kann, was Freundschaft eigentlich ist und auf was für verschiedene Arten man das sehen kann.

Die Spannung steigt mit der Zeit immer mehr, die drei Freunde werden immer lauter und emotionaler und unfreiwillig komisch – wirken aber in jedem Moment total echt. Das liegt einerseits an den sagenhaften Schauspielern – einfach toll gespielt – andererseits an der Stück selber, dessen Dialoge einfach so wahnsinnig echt sind. Einige Male habe ich während des Stückes gedacht – JA! GENAU SO ist es bei mir und meinem Bruder auch immer. Oder genau so habe ich das schon mit Freunden oder sonst in der Familie erlebt. Yasmina Reza hat hier alltägliche Streitsituationen genommen, in dieses Stück verpackt und uns gezeigt, wie lächerlich wir uns doch oft aufführen, wenn wir uns streiten.

Requisiten / Bühnenbild gab es wenig, das Stück selbst hat auf einer Art Vorbühne gespielt, d.h. es war sehr nah am Publikum und die drei verschiedenen Wohnräume der Freunde wurden durch einfache Veränderungen (Verschieben einer Wand mit nun anderem Bild, der Boden wird an der Stelle mit dem Sofa einfach umgedreht und es ist weg,…) passend dargestellt und haben den Fluss der Handlung nicht gestört.

Fazit: Super lustig, total echt, oft hat man sich selbst in den Situationen zu gut wiedererkannt, klasse gespielt.

Wer sich das Stück gerne angucken möchte, kann hier nach Terminen schauen und Karten kaufen.

 

Übrigens:

Bei der Aufführung die ich gesehen habe, gab es noch die kleine Schwierigkeit, dass Serge, der das Bild gekauft hat, dieses auch hin und wieder auf die Bühne und wieder weg trägt – natürlich mit Handschuhen und ganz vorsichtig – nur dass der Schauspieler (Martin Rentzsch) seinen Arm verstaucht hatte. Und so ein Bild ist nicht leicht. Als wir hinterher mit Sascha Nathan gesprochen haben, haben wir erfahren, dass z.B. deshalb auch an einer Stelle Martin Rentzsch ihn mitten im Stück beim Tragen des Bildes um Hilfe gebeten hat – was eigentlich nicht vorgesehen war. Hatte ich überhaupt nicht gemerkt.

Als kleines Beispiel einer Szene, die ich von mir selber auch nur zu gut kannte: Zwei der Freunde streiten sich gerade, einer regt sich auf und diskutiert, der andere sagt: „Beruhige dich! Beruhige dich.“ Woraufhin der erste aufbraust und erst recht schreit – und sagt, dass wenn man sich aufregt und einem jemand sagt, dass man sich beruhigen soll, dass das dann nur alles noch viel schlimmer macht. Und in diesem Moment habe ich mir gewünscht, mein Bruder wäre dabei gewesen. Wie oft hatten wir nur schon genau diese Situation… ich rege mich auf, er sagt mir, ich solle mich beruhigen, ich rege mich erst recht auf…

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